Sieben Jahre nach dem ersten gemeinsamen Auftritt mit Thomas Umbscheiden
Manche Tage muss man sich nicht ausdenken – sie passieren einfach, und am Ende fragt man sich, womit man so viel Glück verdient hat. Der 1. Mai in Weiterdingen war so ein Tag. Kein Wölkchen am Himmel, die Sonne lag warm über den Tischen, und schon beim Aufbau war klar: Heute wird gelacht. Der Hegau hatte sein schönstes Festtagsgesicht aufgesetzt, und wir mittendrin.
Die Festmeile war von der ersten Stunde an gut gefüllt. Zwischen den blauen Schirmen drängten sich die Besucher, an den Bierbänken wurde geprostet, Kinder mit Luftballons sausten zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch, und über allem lag dieser unverkennbare Klang eines gelungenen Dorffestes: ein Gemisch aus Blasmusik, Gläserklirren und vielen hundert Gesprächen, die alle gleichzeitig geführt werden.
Was diesen Auftritt aber unvergesslich gemacht hat, kam erst, als die Badische Hymne angestimmt wurde. Die Kollegen vom befreundeten Musikverein Eberfingen ließen es sich nicht nehmen, ihr ganz eigenes Denkmal zu setzen: Mitten auf der Straße bauten sie eine menschliche Pyramide. Man sieht es jedem Gesicht an – unten die tragende Reihe, Wangen vor Anstrengung gerötet, Hände fest auf dem warmen Asphalt, ein Grinsen zwischen Konzentration und Übermut. Und ganz oben, auf der Spitze: ein junger Mann, die Hand aufs Herz gelegt, der aus voller Brust und voller Inbrunst mitsingt, als gäbe es in diesem Augenblick nichts Wichtigeres auf der Welt als diese eine Hymne.
Mittendrin Thomas Umbscheiden, das Mikrofon in der Hand: Er dirigiert nicht von einem Podest herab, sondern steht zwischen den Musikern, singt mit, treibt an, hält den Laden zusammen – so wie man es von ihm kennt. Und im Publikum reckten sich die Arme jubelnd in den Himmel. Mehr Zustimmung geht nicht.
Für uns hatte dieser Maitag noch eine zweite Bedeutung. Es sind nun sieben Jahre her, dass wir zum ersten Mal gemeinsam mit Thomas Umbscheiden auf der Bühne standen. Was damals ein vorsichtiges Kennenlernen war, ist längst eingespielt. Sieben Jahre, in denen aus Proben Freundschaften wurden, aus Konzerten Erinnerungen und aus einem Dirigenten einer von uns. Eine Pyramide auf offener Straße baut man nicht in der ersten gemeinsamen Saison – das traut man sich erst, wenn man weiß: Da unten hält jemand.

Auch der Nachwuchs war selbstverständlich dabei. Im Festzelt saßen die Jüngsten zwischen den gestandenen Bläsern, Rasseln und Klanghölzer fest in den Händen, das Käppi auf dem Kopf, und gaben den Takt mit, als wäre es das Natürlichste der Welt. Wer wissen will, wie die nächsten sieben Jahre klingen, musste an diesem Tag nur kurz ins Zelt schauen.
Am Abend, als die Schirme lange Schatten warfen und die letzten Gäste sich auf den Heimweg machten, blieb dieses warme Gefühl, mit dem eine Saison einfach beginnen muss: dankbar, übermütig, voller Vorfreude auf alles, was noch kommt. Der Hegau hat uns gut empfangen. Wir kommen wieder.